I. Europäisch- Lateinamerikanisches Treffen in Hamburg

Jugend und Migration - eine Debatte um Identität / Chile - Schweden – Uruguay - Deutschland

Heute findet man in Europa Jugendliche, die der zweiten und dritten Generation lateinamerikanischer Familien angehören oder die aus Familien kommen, in denen ein Elternteil lateinamerikanischer Herkunft ist. Trotzdem diese Jugendlichen in Deutschland, Schweden oder Spanien geboren wurden; obwohl sie die Nationalität, die Gewohnheiten sowie die Bildung und Erziehung des Landes, in dem sie geboren wurden, angenommen haben, sehen sie sich in ihrer Realität zwangsläufig mit einer doppelten Identität konfrontiert. In der Mehrzahl der Fälle werden die Jugendlichen als Ausländer wahrgenommen, was im Alltagsverhalten auch an sie adressiert wird: Besuchen sie das Herkunftsland ihrer Eltern, werden sie als Spanier/innen oder Franzos/innen wahrgenommen. Somit bleibt die Frage offen, mit was fühle ich mich identifiziert- mit dem Herkunftsland meiner Eltern? Wie viele Identitäten kann man haben?

Für zwei Wochen hatten 60 Jugendliche mit einer solchen Geschichte die Gelegenheit, über diese und andere Fragen zu debattieren. Themen wie, die Ursachen von Migration bis hin zu Themen, in denen die Jugendlichen sich in der Gegenwart selbst positionieren konnten, wurden aufgegriffen und diskutiert.

Nicht zu vergessen, dass die Migration vor 60 Jahren ein Phänomen war, welches in seiner Bewegungsrichtung ursprünglich von Europa nach Lateinamerika ausgeführt wurde. Einige Beispiele hierfür fanden sich direkt unter einigen Teilnehmer/innen, die aus Uruguay und Chile kamen. Deren Großeltern waren als Migrant/innen aus Europa in Südamerika angekommen. Zu diesem Punkt behandelten wir die Konzepte „Europäer“ und „Lateinamerikaner“, die von den Teilnehmer/innen kontrovers diskutiert wurden.

Heute gibt es eine vermehrte Migration unter Jugendlichen, die von Lateinamerika nach Europa auswandern. Die Ursachen sind zumeist ökonomische Krisen, zum Beispiel in Argentinien oder Uruguay. Tausende von Jugendlichen verlassen diese Länder jedes Jahr mit europäischen Pässen, was zur Folge hat, dass diese nicht als ausländische Migrant/innen in den Statistiken auftauchen. Die EU-Institutionen, die Projekte mit Migrant/innen fördern, rechnen aus diesem Grund mit viel weniger Förderbedarf für Lateinamerikaner/innen in Europa als es in Wirklichkeit der Fall ist.

Stattdessen finden Projekte mit lateinamerikanischen Themen bei der Projektförderung durch EU- Institutionen wenig Berücksichtigung. Lateinamerikanische Länder werden in einer Rangfolge von förderungswürdigen Ländern erst an dritter oder vierter Stelle genannt.

Aufgrund dessen, war es für uns politisch wichtig ein solches Projekt durchzuführen. Zudem begleitete uns die Thematik von Migration und Identität in unserem Alltagsleben. In unserer nun 10jährigen Vereinsarbeit war dieses wohl eines unserer ehrgeizigsten Projekte. Dieses war das erste Projekt, welches durch das Jugendaktionsprogramm der EU- Kommission für Jugend, Bildung und Kultur finanziert wurde.






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